Linda wäscht einen «Kessel Buntes»

 

Fast 400 Besucher erlebten Programm - Frenetischer Beifall für «Frauengymnastikgruppe»

 

von H.-Dieter Kunze, 06.11.05, 19:07h, aktualisiert 06.11.05, 20:00h

 

Linda/MZ. "Linda kocht einen Kessel Buntes" war das Motto des nunmehr zwölften jährlichen Heimatabends. Die Mitglieder des Heimatvereins, Sportgruppen, Kinder und Jugendliche sowie die Damen vom "Dorfspektakel" boten den Gästen einen erlebnisreichen Abend.

Schon das Ambiente entsprach voll dem Motto. Quer durch die Turnhalle waren lange Leinen gespannt, an denen die unterschiedlichsten Kleidungsstücke, vom Hemd über Hosen bis hin zu BH und Slip "zum Trocknen" hingen. Trocken dagegen blieben viele Augen nicht, denn Einlagen des Programms lösten wahre Lachsalven aus. Souverän moderiert wurde der Abend von Susann Blum und Horst Richter. Der stellte sich entsprechend gekleidet als der Nachtwächter in spe für Linda vor. Den Abend wollte er gleichzeitig als "Bewerbungsgespräch" betrachtet wissen, denn seinen Job als Schuhverkäufer hätte er schlagartig wegen zu großer Patzigkeit gegenüber einer Kundin verloren.

Beide Moderatoren bedankten sich bei den zahlreichen Sponsoren. "Wir haben bei ihnen einiges an Geld locker gemacht", ließ Horst Richter durchblicken. Die ersten beiden der insgesamt 14 Programmpunkte bestritten die Jüngsten. Ute Liebelt vom "Dorfspektakel" hatte mit ihnen Lieder, Gedichte, Tänze und Sketche unter dem Motto "Kindergartenquatsch" einstudiert. Zum Gassenhauer "Jukebox-Jive" der "Rubettes" wirbelten sie über die Bühne und schlugen Purzelbäume. Ohne "Erwachsenenhilfe" brachten Mädchen und Jungen der Gruppe Sina Liebelt und Co. mit viel Fantasie einen "Märchenmix" auf die Bretter.

Aus Rotkäppchen wurde Pinkkäppchen, Bibi Blocksberg war dabei und natürlich die Großmutter. Und da der Wolf nicht kam, ging die Großmutter kurz entschlossen zur "Bewegungstherapie" in die Disko. Dort trafen sich dann alle wieder, einschließlich nur zwei anstelle von sieben Zwergen. Die beiden trugen wenigstens noch eingelaufene Zipfelmützen, bei den restlichen fünf sei beim Waschen die gesamte Kleidung eingelaufen, hieß es entschuldigend. Nicht direkt aus dem Pariser "Moulin Rouge", aber entsprechend als Tänzerinnen verkleidet, fanden Marcus, Christian, Fritz und Stephan aus Lindwerder erstmals den Weg zum Heimatabend nach Linda. Gudrun Muche, vor einigen Jahren von Berlin nach Linda gezogen, war zum vierten Mal dabei. Sie sang und erzählte Geschichten aus der Hauptstadt der 20-er und 30-er Jahre. Eine Zeit, in der Pommes, Hamburger, Kids, Promis, Disco oder Feten noch unbekannte Begriffe waren.

"Silbermond", eine Tanzgruppe von vier jungen Mädels - Caroline, Sina, Isabell und Claudia - aus Linda, hatten zwei Tanzauftritte. Unter anderem präsentierten sie einen Cancan. "Bei den Proben ging es ja noch. Aber vor so viel Publikum heute Abend, da waren wir doch ganz schön aufgeregt", gestand Caroline ein.

Die Frauen des Lindaer "Dorfspektakels" sangen ein Medley bekannter Schlager und lüfteten ein bisher streng gehütetes Geheimnis: Was läuft eigentlich bei den allwöchentlichen Mittwochtreffs wirklich ab? "Wir sind eine Selbstbefreiungsgruppe", verrieten sie. Das demonstrierten sie im "Hausfrauenbefreiungstanz" in Kittelschürzen und dazu mit Kochutensilien wie Pfanne, Schöpfkellen oder Schneebesen wedelnd. Nahezu frenetischen Beifall erhielt die vierköpfige "Frauengymnastikgruppe" für ihren Tanz. Ohne Zugabe kamen die mit Bodys, kurzen Sportdressen und Perücken verkleideten Herren nicht von der Bühne.

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