So kennt man den Chef-Coach von Grün-Weiß Linda: Fast immer hat Gerald Neiße ein schelmisches Lächeln auf den Lippen.

(FOTO: THOMAS CHRISTEL)

LINDA/MZ. Kommt man mit seinen Amtskollegen ins Gespräch, haben die fast alle eine übereinstimmende Frage bezüglich des Trainers der ersten Lindaer Fußballmännermannschaft: "Kann der Gerald Neiße eigentlich auch mal aus der Hose hopsen vor Ärger?"

Ruhig, aber konsequent

Könnte er schon, nur wenn er hopst, dann geschieht das in den eigenen vier Wänden oder maximal hinter verschlossenen Türen vor dem Team. So beantwortet der Coach von Grün-Weiß selbst diese Frage und stimmt ansonsten leicht schmunzelnd zu, dass die Beschreibung "ruhig, freundlich, aber auch konsequent" ganz gut auf ihn passe. "Ich bin jedenfalls keiner, der laut brüllend ständig am Spielfeldrand herumrennt."

Seit 1974 Mitglied beim SV Grün-Weiß Linda, alle Mannschaftsstationen aktiv durchlaufen, seit Jahren Chef der ersten Truppe, das Fußball-Leben von Gerald Neiße wirkt beständig. Erstaunlicherweise, denn der 42-Jährige hat auf seinem Posten als Trainer wahrlich nicht nur schöne Zeiten erlebt. Und andere in seinem Amt bei anderen Vereinen hätte sicher längst die Tasche packen dürfen, wenn die Mannschaft abgestiegen wäre, wie Linda in der vergangenen Saison. Was macht Gerald Neiße anders, oder was ist bei Grün-Weiß Linda anders? "Tja, was ist anders bei uns? Vielleicht liegt es daran, dass wir in Linda immer noch den Spaß am Fußball an erster Stelle stellen. Natürlich freuen wir uns über gute Platzierungen, ärgern uns bei Niederlagen, haben an Abstiegen zu kauen. Doch ich und die anderen sagen uns immer wieder, dass niemals vergessen werden sollte, dass sämtliche Jungs ihre Freizeit für den Verein opfern." Und dann sei es wohl auch ein ganz Stück gegenseitiges Vertrauen und Respekt, was die konstante Arbeit mit und auf dem Trainerposten kennzeichne, meint der Coach.

Trotzdem ehrgeizig

Man kauft Gerald Neiße diese Aussagen sofort ab. Wenngleich man ihn, seine Jungs und den Verein vollkommen unterschätzen würde, käme man auf die Idee zu sagen, den Lindaern sei die Jagd nach Punkten nun vollkommen wurscht. Ehrgeizig sind sie schon, und spürbar stolz darauf, schon zweimal mehrere Jährchen in der Landesklasse mitgemischt zu haben. "Wir gehen schon auf den Platz, um zu siegen. Nur ist das für uns eben nicht immer einfach, denn wir liegen im äußersten Zipfel des Landes", erklärt Gerald Neiße. Er könne schon manchmal "neidisch" werden, wenn er sieht, wie in anderen Vereinen beispielsweise die Suche nach guten Kickern funktioniert und klappt. "Linda kann da schwer mithalten, unsere Randlage wirkt sich halt nachtteilig aus. Doch gerade deswegen können wir doch so stolz auf das bislang Erreichte sein. Unser Potenzial kommt aus unseren eigenen Reihen und so betrachtet machen wir doch offensichtlich keine schlechte Arbeit."

Hat sich die Fußballwelt in seiner Zeit als Aktiver und Trainer verändert, mal abgesehen von den äußeren Bedingungen? "Doch, einiges ist heute anders als früher. Was mich zuweilen erschreckt, ist der Umstand, wie hart und teilweise unfair selbst in den unteren Spielklassen die Kicker miteinander umgehen. Sicher, auch ich habe gefoult oder wurde selbst von den Beinen geholt. Doch heute habe ich ständig Sorgen, dass nach dem Abpfiff die Hälfte der Mannschaft mit schweren Verletzungen im Krankenhaus liegt. Ich bezweifle, ob diese Verbissenheit unserem Sport überhaupt gut tut."

Verständnisvolle Familie

Eines hat sich hingegen nicht verändert in den Fußballjahren von Gerald Neiße. Das Wochenende gehört dem Sport. Die viele Freizeit fordert vom Umfeld, sprich der Familie, ein großes Verständnis. "In dieser Beziehung habe ich sehr großes Glück. Meine Frau steht hinter mir und auch meine beiden Töchter akzeptieren die Leidenschaft des Papas. Und dies schätze ich umso mehr, da ich ja die Woche über auch nicht zu Hause bin, ich bin auf Montage." Wobei Gerald Neiße sich zumindest einen Teil der Familie mit aufs Spielfeld geholt hat. Die beiden Freunde der Töchter sind selbst Fußballer, "die machen sich beide auch ganz gut". Wegen familiärer Verbandelungen werden sie aber nicht bevorzugt.

Wo sieht sich Gerald Neiße in paar Jahren, wo sieht der Coach seinen Verein? Ihn persönlich würde noch etwas Bestimmtes reizen. "Ich werde nicht ewig Trainer bleiben, das ist klar. Ich könnte mir aber vorstellen, eines Tages vielleicht als Schiedsrichter auf dem Platz zu stehen." Für Grün-Weiß Linda hat Gerald Neiße einen Wunsch. "Der Verein soll weiterhin eine Anlaufstelle für Fußballbegeisterte bleiben, die in einer guten Atmosphäre ihrer Leidenschaft nachgehen können."

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