
Erfahrungen als Trainer hat Torsten Lehmann (l.) reichlich.
Ab sofort ist er Chef der ersten Männermannschaft. (FOTO: VEREIN)
LINDA/MZ. "Als ich mich entscheiden musste, schlugen zwei Herzen in
meiner Brust." Für Torsten Lehmann, Vorstandsmitglied beim SV Grün-Weiß Linda
und nun unverhofft auf die Planstelle Fußballtrainer erste Männermannschaft
(Kreisoberliga) gesetzt, waren die vergangenen Tage keine leichten. "Nein, der
Start in ein neues Jahr kann einfacher vonstatten gehen, das gebe ich ehrlich
zu."
Denn Lehmann hatte schwer damit zu ringen, sich als Coach von der zweiten
Männermannschaft zu verabschieden, um den gleichen Job bei der Ersten zu
übernehmen. "Am liebsten wäre mir gewesen, mich hätte niemand gefragt, ich hänge
doch sehr an der Zweiten. Aber nachdem der Posten des Trainers unserer
Kreisoberligamannschaft neu besetzt werden musste und angesichts unserer dünnen
Personaldecke hatte ich schon fast geahnt, dass man auf mich zukommen wird."
"Lemi", wie er im Verein genannt wird, hat eine tiefe Bindung zur Zweiten. "2005
habe ich sie übernommen. Damals als Nachwuchsteam durfte ich die Jungs bis jetzt
begleiten. Und heute, in der Kreisklasse, läuft es super, wir sind eigentlich
gerade dabei, die Früchte unserer jahrelangen Arbeit zu ernten." Die Lindaer
Reserve hat den Aufstieg vor Augen, steht momentan auf Platz zwei in der
Tabelle. Und zum Saisonende hin soll der Sprung in die Kreisliga klappen. Dies
dann aber eben ohne Torsten Lehmann an der Seitenlinie. Was so vor wenigen
Wochen noch keiner ahnen konnte.
Denn zum Saisonstart hatte die Kreisoberligatruppe mit Sven Hannemann ihren
Trainer. Doch innerhalb weniger Monate kristallisierte sich heraus: Man lag
menschlich nicht auf einer Wellenlänge. Torsten Lehmann dazu: "Aus meiner Sicht
sind es die letzten Auswirkungen, die wir nach dem Weggang von Gerald Neiße
erlebt haben. Sven musste in seine Fußstapfen treten, was nicht einfach war. Bis
heute schwärmen viele von Gerald als den Supertrainer." Jedenfalls wurde zu Ende
der Hinrunde immer deutlicher: Sven Hannemann und die Jungs des
Kreisoberligateams wollen nicht mehr miteinander. "Nachdem Sven sein Amt
niedergelegt hatte, musste wir reagieren", so Lehmann.
Somit geriet er in das Visier und zugleich in die "Zwickmühle". "Was sollte ich
nun machen? Nein sagen? Das hätte ich nicht fertig gebracht, zumal ich merke,
dass die erste Mannschaft mich mit offenen Armen aufgenommen hat. Gleichwohl
hatte ich schon ein ziemlich schlechtes Gewissen, meine Zweite abzugeben."
Letztendlich hat sich Torsten Lehmann für den Wechsel entschieden und vollzieht
diesen ohne Wenn und Aber. "Ich trete nicht als Zwischentrainer an. Das sage ich
an dieser Stelle klar und deutlich. Ich habe schließlich als Coach die Spitze
der Karriereleiter in Linda erreicht und werde dort so lange bleiben, wie ich
will oder man mich machen lässt." Auch gibt es eine klare Ansage für Kommendes.
"Am Saisonende der Kreisoberliga soll ein gesicherter Mittelfeldplatz
herauskommen, für dieses Ziel haben sich alle in den nächsten Wochen
hineinzuknien."
Nur eines kann und will er nicht lassen. "Natürlich werde ich ganz aufmerksam
verfolgen, was die Reserve bewerkstelligt. Aber keine Bange, Raik Niendorf und
Pascal Schüler, die jetzt als Duo die Mannschaft coachen, werde ich nicht
reinreden." Jedenfalls will er sich sehr darum bemühen. Trotzdem soll es eine
intensive Zusammenarbeit geben. Denn Lehmann ist sich sicher, öfters mal auf
Kräfte aus der Zweiten zurückzugreifen, um in der Kreisoberliga zu punkten. "Da
wird es Einsätze geben. Mit Andreas Kamchen, Christopher Linke, Toni Römer und
Raik Passin haben wir vier Akteure, die die Erste super mit unterstützen
können."
Noch einer hat sich über Silvester aus dem aktiven Fußballgeschehen in Linda
zurückgezogen. Horst Richter trat bei der letzten Vorstandwahl nicht mehr an.
Bis 2008 Vorsitzender, vollzog er nun auch seinen angekündigten Rückzug aus dem
Gremium. Bei ihm ist es die berufliche Belastung, die schon 2008 bei seinem
Ausscheiden als Vereinschef den Ausschlag gab. Richter arbeitet in Falkenberg,
macht sich morgens spätestens um 7 Uhr auf den Weg, kommt abends in der Regel
gegen 22 Uhr erst wieder nach Hause. Im Normalfall ist Sonntag der einzige freie
Tag. "Ich mag es nicht, Sachen nur halb oder im Vorbeigehen zu erledigen",
erklärte er nun. Daher habe er sich entschlossen, auch aus dem Vorstand
auszuscheiden.