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Der Fall Blau-Rot Coswig
VON ANDREAS RICHTER
COSWIG/MZ. Es gibt einen Fall Blau-Rot Coswig: Die Abteilung Fußball des Vereines äußert den Wunsch, ab dem Sommer 2011 wieder in den Ligen Anhalts zu kicken. Blau-Rot möchte gern die Zuordnung zum Wittenberger Verband, vollzogen 2007 im Zuge der Gemeindegebietsreform, rückgängig machen. Betreffen würde es die Kreisoberliga- und die Kreisligamannschaft.
Aus dem Anhalter KFV heißt es dazu, "dass schon im Sommer 2010 der Wechselwunsch ein Thema war, aber wenig Anklang bei den Verantwortlichen des KFV Wittenberg fand". Anhalt sei für eine Rückkehr der Coswiger, wenn eine Freigabe aus Wittenberg vorliege.
Aber im Fußball gibt es klare Regeln. Nicht nur auf dem Platz. Und für Stephan Gräfe, Vorsitzender des Spielausschusses des KFV Wittenberg, sind Wünsche durchaus legitim, "auch die der Coswiger". Nach seiner Auffassung haben die Blau-Roten aber offensichtlich das mit den Regeln vergessen. Gräfe erklärt: Möchte ein Fußballclub nach Saisonende in einen anderen Kreisfachverband wechseln, muss er dies per Antrag kundtun und das Papier bis zum Start der Rückrunde vorlegen. "So, und jetzt schauen wir mal nach und was bemerken wir? Richtig, am 11. Dezember hat beim Kreisfachverband Wittenberg offiziell die Rückrunde begonnen. Und weder am 10. noch am 11. lag ein Antrag der Coswiger bei uns vor." Das Papier gebe es auch heute noch nicht. Dabei sei ein Wechsel der Coswiger schon mal an der verpassten Meldefrist gescheitert. Das müsse sich aber nicht wiederholen. "Sollte der Antrag in den kommenden Tagen bei uns eingehen, wird sich der Vorstand dazu beraten. Ich sage momentan weder ja noch nein, einen Wechsel ausschließen würde ich nicht," so Gräfe.
Auf eine positive Antwort hofft Thomas Hillienhoff. Der Coswiger Fußballabteilungsleiter möchte gern wieder mit seinen beiden Teams in den KFV Anhalt zurückkehren. Nicht, betont er ausdrücklich, weil man die Wittenberger nicht leiden könne. "Es war 2007 im Grunde genommen eine politische Entscheidung, der wir, übrigens als einzige Abteilung bei Blau-Rot, unterlagen." Man hatte damals noch die Hoffnung, dass beispielsweise auch Jeber-Bergfrieden oder Klieken den KFV wechseln müssten. "Dies ist nicht passiert. Dadurch sind uns intensive, jahrzehntelange Bindungen weggebrochen, spannende Derbys entfielen, die Zuschauerzahlen gingen merklich zurück." Doch nicht alte Bindungen allein begründen den massiven Wechselwunsch. Der Abteilungsleiter redet ebenfalls Klartext beim Thema Geld. "Es sind auch handfeste finanzielle Gründe. Durch die Begegnungen im Landkreis Wittenberg bis hin nach Linda, Jessen oder Annaburg sind unsere Fahrkosten in der Vergangenheit förmlich explodiert. Und jeder muss heute rechnen."
Dass man nun aber wegen eines versäumten Termins womöglich wieder nicht wechseln könne, erstaunt den Coswiger etwas. "Wir kennen nur die Regelung, dass der Antrag bis zum 31. Dezember vorliegen muss. Dies wird passieren, das Schreiben ist heute rausgegangen." Zudem habe man ohnehin abwarten müssen, ob der KFV Anhalt einer Wiederkehr zustimmen würde. "Zum Schluss hätten beide nein gesagt, da würden wir jetzt aber belämmert aus der Wäsche schauen." Hillienhoff setzt nun auf ein Entgegenkommen des Wittenberger KFV, "ich denke, dass wir vernünftig ins Gespräch kommen".
Sollte der Coswiger Wunsch erfüllt werden, hat das Konsequenzen für den aktuellen Wettkampfbetrieb. Möglicherweise müssen durch den Wegfall der Coswiger Teams Abstiegs- oder Aufstiegsfragen in der Kreisoberliga und Kreisliga neu geregelt werden. Gräfe gibt zu, sich mit diesen Fragen noch nicht beschäftigt zu haben. "Fest steht, auch 2011 / 12 sollen in beiden Ligen wieder 16 Teams auflaufen." Für die Kreisoberliga ist ohnehin klar, dass zwei Teams in die Landesklasse aufsteigen. "Es ist ein bisschen kompliziert, da ja beispielsweise der Absteiger aus der Landesklasse ein Team aus unserem Kreisverband sein kann und dann auch in unserer Kreisoberliga eingestuft würde", erklärt Gräfe den durchaus komplizierten Rechenvorgang. Und fügt an: "Ich werde mich damit in Ruhe beschäftigen, wenn eine Entscheidung zu Coswig gefallen ist." Nur soviel: Laut dem Vorsitzenden des Spielausschusses wird es wohl so sein, dass es im Falle des Ausscheidens von Coswig am Saisonende einfach einen Absteiger weniger gibt.
Zusätzliche Absteiger drohen
Viel komplizierter ist die Situation in Anhalt. Hier beansprucht Coswig ja Plätze in Ligen, die noch nicht frei sind. Deshalb muss es möglicherweise zusätzliche Absteiger geben. Doch dazu gibt der KFV Anhalt derzeit trotz Nachfrage der MZ keinen Kommentar ab. Mit diesem Thema wollen sich die Verantwortlichen erst beschäftigen, wenn der Wechsel perfekt sei, heißt es. Doch da drängt jetzt die Zeit. Schließlich brauchen die Teams, die um den Klassenerhalt kämpfen, Klarheit in der Abstiegsregelung der aktuellen Saison - tatsächlich mindestens vor dem Start der Rückrunde. Kommentar Seite 8
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