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| News - Sport allgemein |

Von 1974 bis Anfang 2010 war Gerald Neiße beim SV Grün-Weiß Linda aktiv.
Zuerst als Fußballer, dann als Trainer. Vor einem Jahr wechselte er zu Allemannia Jessen,
übernahm das erste Männerteam. (FOTO: THOMAS CHRISTEL)
JESSEN/MZ.
Auf den ersten Blick ist die Bilanz von Gerald Neiße durchwachsen. Ein Jahr zieht der 44-Jährige nun schon als Cheftrainer bei der ersten Mannschaft des SV Allemannia Jessen die sportlichen Fäden. In dieser Zeit haben seine Fußballer fast genauso oft verloren wie gewonnen. Und auch die saisonübergreifende Tordifferenz ist nahezu ausgeglichen. Tatsächlich erlebten Neiße und die Allemannen ein Wechselbad der Gefühle, das sich in zwei völlig unterschiedliche Jahreshälften teilen lässt. Da ist die bittere zweite Halbserie in der Landesliga, die mit dem Abstieg endete. Seit Sommer hat sich das Blatt wieder gewendet. In der Landesklasse steht Jessen auf Platz zwei.
Teamgeist zählt
Neiße selbst ist kein fanatischer Statistiker, der jeden Grashalm einzeln umdreht. Vielmehr erzählt er von seiner Philosophie. "Langfristigen Erfolg hat man nur bei einer funktionierenden Mannschaft. In der Truppe muss es stimmen." Deshalb sieht er sich auch nicht als den alleinigen Garanten für den aktuellen sportlichen Aufschwung, eher als ein Rädchen von vielen. So steht ihm ein vierköpfiger Trainerstab zur Seite, "ohne den ich ziemlich alt aussehen würde". Und Unterstützung ist enorm wichtig. Unter der Woche muss der Bauarbeiter oft auswärts ran.
Die Moral im Team scheint zu stimmen. Da kann Neiße seinen Torjäger Stefan Lutzmann auch schon mal auf die Bank setzen, ohne dass der Leistungsträger die Fassung verliert. "Wenn er sich anschließend trotzdem hineinkniet, habe ich mein Ziel erreicht." Ruhig und bescheiden, aber auch konsequent, dies sind die Charaktereigenschaften eines Mannes, den man höchst selten schreiend am Spielfeldrand erlebt. Seine besonnene Art wird immer wieder in Gesprächen genannt. Sie war auch der Grund dafür, ihn nach Jessen zu holen, wie Fußballabteilungsleiter Jens Schramm betont. "Gerald war und ist genau der richtige Mann auf diesem Posten und von seinem Auftreten her ein angenehmer Mensch."
Neiße belässt es hingegen bei knappen Sätzen. "Es macht bis heute Spaß und ist nach wie vor eine große Herausforderung." Dabei gibt er zu, sich den Wechsel vom Dorf in die Stadt nicht leicht gemacht zu haben. 25 Jahre Fußball in Linda haben Spuren hinterlassen. "Viele waren verwundert, dass ich Grün-Weiß verlassen hatte. Manche dachten wohl, ich sei mit dem Club verheiratet." Ihn habe damals der Ehrgeiz getrieben, eine neue Aufgabe zu suchen. "Vielleicht wollte ich es auch ein Stück mir selbst beweisen." Zunächst musste er eine Durststrecke mit vielen Enttäuschungen verkraften. Seine bitterste Stunde war dabei der Abstieg aus der Landesliga. "Ich wollte ihn unbedingt verhindern, weil ich der festen Überzeugung war, dass die Jungs das Potential für die Liga hatten. Die Zeit ist nicht einfach gewesen."
Konstant unkonstant
Wo lagen die Ursachen für den Abstieg? Allein die ungesunde Torbilanz spricht Bände. Den 55 Gegentreffern in der Rückrunde der Landesliga standen nur 33 eigene Tore entgegen. Dazu kam eine langfristige Verletzungsmisere. Obwohl Neiße mit fast 20 Spielern über einen großen Kader verfügte, musste er im Frühjahr fast jede Woche eine neue Truppe auf den Platz stellen. Auch prägte Unbeständigkeit das Spiel der Elsterstädter. Bösen Niederlagen (1:8 gegen Arnstedt) standen starken Auftritte (8:4 gegen Germania Roßlau) gegenüber. Zudem darf nicht vergessen werden: Die turbulenten Monate über den Jahreswechsel 2009 / 10 hallten bis weit in das vergangene Jahr hinein nach. Im November 2009 hatte Coach Detlef Malskeit überraschend aufgegeben. Die Suche nach einem Nachfolger war für die Vereinsspitze schwierig. Und es brauchte eben Zeit, bis sich Neu-Trainer Neiße und die Spieler aufeinander eingestellt hatten.
Beständiger und erfolgreicher erlebt man die Kicker nunmehr in der Landesklasse. Bei bisher 13 Begegnungen wurden 45 Tore erzielt, die Gegentrefferquote liegt bei 13, man hat Tabellenplatz zwei inne. Fans reden schon vom Wiederaufstieg. "Es ist nicht unser erklärtes Saisonziel, sträuben würden wir uns aber nicht", sagt der Trainer. Neiße tritt bewusst auf die Euphoriebremse. Spitzenreiter Eintracht Bitterfeld hat zehn Punkte Vorsprung. Neiße erwartet eine große Schlacht der Verfolger. "Die Abstände sind eng, Mannschaften wie Annaburg oder Piesteritz II sind stark. Zudem haben sich viele über die Winterpause personell verstärkt." Jessen übrigens nicht.
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